In fernen Zeiten, so wird erzählt,
Von Osmanenreich, das die Welt beseelt,
Die Geschichte beginnt mit zwei Fremden im Ort,
Sie erreichten die Stadt, ein unbekannter Hort.


Am Basar fanden sie einen grausamen Fund,
Eine Leiche lag dort, verloren im Schlund.
Doch die Menschen dort gingen einfach vorbei,
Eine der Fremden schrie laut: "Warum? Sagt mir, bei!"


"Oh Bewohner dieser Stadt, seht ihr das nicht?
Diese Leiche hier, kümmert ihr euch nicht?
Einst Teil eurer Gemeinschaft, ein Glaubensbruder,
Warum bleibt ihr stumm? Das ist doch absurder!"


Ein Passant hielt an, mit Skepsis im Blick,
Er sprach vom Toten, erzählte sein Geschick.
"Ein Trunkenbold, ein Ehebrecher gar,
Mit solch einem Schurken will keiner hier Schar."


Der Fremde erwiderte: "Wie er auch gewesen,
Er war dennoch ein Teil, den ihr nicht wolltet lesen.
Ein Bewohner dieser Stadt, ein Mensch wie ihr,
Ein Glaubensbruder, vergesst das nie, stets hier!


Die Fremden trugen den Leichnam nun fort,
Bis sie das Haus des Verstorbenen dort.
Sie klopften an die Tür, eine Witwe tat auf,
Voller Trauer und Schmerz, sie trug ihren Lauf.


Die Fremden brachten die Leiche hinein,
Die Witwe erkannte, das musste so sein,
Sie setzte sich nieder, weinte und klagte,
Von ihrem Mann sprach sie, die Trauer sie lange plagte.


"Oh edler Mann, so gottesfürchtig und rein,
Du wirst ins Paradies gehen, das muss so sein.
Die Menschen sprachen schlecht über dich im Ort,
Doch ich kenne die Wahrheit, sie bleiben fort."


Die Fremden lauschten den Worten der Frau,
Verwirrt und erstaunt, sie hörten genau,
Sie erzählte von Wein und dem dunklen Fluss,
Dass er Freuden empfand, wenn er schenkte Verdruss.


Zu den Prostituierten ging er hinfort,
Bezahlte die Nacht, um zu wahren den Ort,
Kein Ehebruch sollte geschehen in der Nacht,
Für einen Moment hielt er Sünde in Schacht.


Die Witwe stand betrübt an seinem Ort,
"Ich warnte ihn stets, vor dem letzten Wort.
Niemand in der Stadt wird das Totengebet sprechen,
Das sagte ich ihm, er konnte es nicht brechen."


Da sprach der jüngere der beiden Gestalten,
"Ich bin der Sultan, Führer der Gewalten.
Verkleidet waren wir, um zu verstehen,
Die Sorgen und Nöte, die euch bewegen und anwehen."


"Und seht nun, was uns widerfahren ist,
Euer Mann war ein Edler, den niemand vergisst.
Ich selbst werde das Totengebet vollführen,
Minister, Generäle, Gelehrte sollen es spüren."


Der Sultan wusch den Toten in Ritual und Pracht,
Leitete das Gebet, mit Huld und Bedacht.
Minister und Stadthalter, Ehrenträger gar,
Sie erwiesen dem Edlen die letzte Ehrung klar.


Diese Geschichte lehrt uns, so hört genau,
Nie über andere zu urteilen, das ist schlau.
Äußerlichkeiten täuschen oft den Schein,
Doch im Herzen verbirgt sich das Wahre, das rein.


Ahmad Wali Achakzai, 20. Juni 2023


*Diese Ballade ist die deutsche Adaption des Gedichts "Taqwadara Sharabi" aus der Pashto Sprache, das im Jahr 2019 in der Gedichtsammlung "da Ahmad Wali Achakzai Musnawi" veröffentlicht wurde.

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